Venna Adler
Venna Adler

Das Knutschkugelland

Teil 1

Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass das Leben einen manchmal in ziemlich seltsame Abenteuer verwickelt. Abenteuer bei denen plötzlich irgendwelche Fantasiefiguren lebendig werden, versunkene Schätze wieder auftauchen und mutige Ritter ihre angebeteten Prinzessinnen aus den Klauen von Drachen oder Unholden befreien.
Vor vielen Jahren habe ich ein solches Abenteuer selbst erlebt.
Mein Name ist übrigens Kim Marmel und als ich mich auf die Reise in mein erstes Abenteuer machte, da war ich gerade 6 Jahre alt geworden.
Und jetzt lass mich dir ein wunderbares Land zeigen...
Ein Land nicht weit entfernt von deinem Zuhause.
Ein Land mit Bergen, deren Gipfel mit weißem Pulverschnee bedeckt sind. 
Ein Land an dessen endlosen weißen Strände die Brandung des türkisen Meeres rauscht.
Ein Land mit saftigen grünen Wiesen, auf denen die prächtigsten Blumen blühen, die du je gesehen hast. Deren betörend süßer Duft dich verzaubert und in helle Aufregung versetzt!
Ein Land in dessen klaren Seen du am Grund die Schlösser der Seeelfen sehen kannst.
Ein Land in dem alle Menschen und Tiere einander achten und lieben.
Ein Land in dem du auf dem Rücken von atemberaubend schönen Vögeln und Schmetterlingen einen Rundflug genießen kannst.
Ein Land in dem jeder ist wie er ist, wenn er nicht gerade auf der Erde ist.
Dieses Land will ich dir zeigen.
Das Knutschkugelland!

Nur lass mich dir zuerst noch das eine oder andere erklären.
Ein jedes Kind auf dieser Welt, ob Junge oder Mädchen, ob arm oder reich, ob dick oder dünn... ein jedes Kind auf dieser Welt kennt dieses Land. Vielleicht erinnerst du dich nicht daran, aber schließ einmal Deine Augen. Dann siehst du  da schon so ein rötliches Flackern. Ein Stückchen weiter und  dann kommen diese bunten Farben. Was glaubst du könnte das sein? Diese bunten Farben sind Engel, die Wächter des Knutschkugellandes. Lächle sie einfach an und sie werden dir Einlass gewähren.
Und nachdem du nun durch ein Meer von duftigen weißen Wolken geflogen bist, wird sich auch der Schleier des Vergessens langsam lichten und du erinnerst dich an dieses Land.
Oh sieh nur, da vorne sind schon die hohen Berge mit ihren weißen Häubchen und dort unten eine wunderschöne Oase inmitten einer gelben Wüste.
Genau dort in dieser Oase beginnt unsere Geschichte. Genauso, wie ich dich gerade mit in das Knutschkugelland genommen habe, so hat mich vor vielen Jahren meine große Schwester Stella mit hier her genommen. Stella ist drei Jahre älter als ich und der allerklügste Mensch, den ich überhaupt jemals kennen gelernt habe.
Eines Abends als ich sehr traurig war, weil... ich weiß heute eigentlich gar nicht mehr warum ich damals so traurig gewesen bin. Ich glaube, ich hatte mich einfach fehl am Platze gefühlt. So als würde ich in Wirklichkeit gar nicht hier her auf die Erde gehören. An diesem Abend da hat mich meine Schwester Stella an die Hand genommen und ist mit mir ins Knutschkugelland geflogen.
Erst wollte ich ihr ja gar nicht glauben, dass es dieses Land überhaupt gibt, aber dann war es doch ganz einfach zu finden. Ich musste einfach nur die Augen schließen und Stella folgen.
Wir landeten damals genau an der gleichen Stelle, wie wir es zahlreiche Male danach auch taten... in der Ankunftsoase.

Die Ankunftsoase verdankt ihren Namen der Tatsache, dass jeder Besucher, der von außerhalb zu Besuch ins Knutschkugelland kommt, zuerst einmal dort landet. Warum das so ist? Das weiß niemand! Manche Dinge kann man einfach nicht erklären, die sind einfach so.
Es ist eine sehr kleine, sehr gemütliche Oase.
Damals, als ich zum ersten Mal dort war, gab es neben dem Landeplatz nur drei Häuser, einen Brunnen und eine Werkstatt. Überall blühten bunte Blumen, grüne Büsche voller schmackhafter Früchte und riesige Bäume, die Schatten spendeten. Die Bäume bildeten von oben betrachtet einen fast perfekten Kreis um die Oase herum und wirkten, wie eine Begrenzung zu den riesigen gelben Sanddünen, in dessen Mitte die Oase lag. Ich habe mich damals gefragt, welcher Gärtner diese Bäume wohl angepflanzt hat. Aber diese riesigen Uralten Bäume sind irgendwann einmal von ganz allein an dieser Stelle gewachsen.
Auf dem großen Landeplatz, der ein wenig abseits liegt, sah ich nicht nur meinen ersten Adlernachtflugexpress, sondern betrat auch zum ersten Mal in meinem Leben einen Schmetterlingsexpress. Ja, ja, ich sehe schon, ihr wundert euch jetzt mächtig, wie man denn auf einem Adler oder einem Schmetterling fliegen soll. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte auch nicht daran geglaubt. Deshalb nehme ich es euch nicht krumm.
Sowohl die Adler, als auch die Schmetterlinge, sind von außergewöhnlicher Größe. Niemals zuvor habe ich größere Schmetterlinge gesehen. Sie sind so groß, dass sie sich mit Leichtigkeit eine Gondel mit 6 Sitzplätzen auf den Rücken schnallen können.
Und das gleiche gilt natürlich auch für die Adler.
In der Ankunftsoase lebten damals neun Knutschkugellandbewohner.
Da war zum einen die rundliche Frieda, die meistens einen Korb voller leckerer Früchte bei sich trug, und die ankommenden Fluggäste stets mit einem, „ach du liebes Bisschen, ihr seht ja ganz ausgehungert aus. Nehmt schnell ein bisschen Brot oder ein paar Früchte“, in Empfang nahm.
Frieda war die gute Seele der Ankunftsoase. Stellt sie euch schön rund und fröhlich vor, mit einem herzlichen Lächeln, grauen Haaren, die sie am Hinterkopf zu einem festen Zopf zusammengebunden hat und einer winzig kleinen Brille auf der Nase. So eine hast du bestimmt schon einmal bei deiner Oma oder  deinem Opa gesehen, wenn sie lesen oder stricken. Wenn sie dann von ihrer Arbeit aufschauen, dann blicken sie über die Brille hinweg und das sieht dann immer irgendwie süß aus, findest du nicht auch? Auch bei Frieda sieht das süß aus.
Seit meinem ersten Besuch nehme ich mir immer als erstes eine Baglapfrie aus Friedas Korb. Ach du weißt gar nicht was eine Baglapfrie ist? Das ist eine rosa-blau karierte Frucht, die in etwa so groß ist wie ein Tennisball und ganz fruchtig, saftig und auch ein bisschen süßlich schmeckt.
Du musst wissen im Knutschkugelland, da essen alle Leute nur das, was an den Bäumen, Büschen oder auf den Feldern wächst. Wenn sie Milch oder Eier brauchen, dann gehen sie zu den Tieren und bitten sie ganz freundlich darum. Und da die Tiere hier im Knutschkugelland sprechen können, die einen mehr die anderen weniger, ist das auch gar kein Problem. Und Schokolade? Wirst du dich nun fragen! Schokolade und Bonbons gibt es nur ganz selten, weil es nämlich keinen Zahnarzt gibt.
Also mir schmeckten, wie gesagt, die Baglapfrien immer schon am besten. Aber man bekommt davon immer so eine karierte Zunge.

Zurück zu meinem ersten Besuch im Knutschkugelland. Ich sah mich erstaunt um, während ich meine Baglapfrie aß.
Stella stellte mich Frieda vor, „das hier, liebe Frieda, ist meine kleine Schwester Kimi. Sie ist heute ein bisschen traurig! Deshalb habe ich ihr vorgeschlagen mit ihr eine Rundreise durchs Knutschkugelland zu unternehmen.“
Frieda drückte mich ganz fest an ihre weiche Brust und hieß mich herzlich Willkommen. Dann ging Stella mit mir über die Landebahn hinüber zu einem hübschen, mit eingemeißelten Ranken, verzierten Wasserbrunnen, um unsere Flaschen mit dem besten Durstlöscher zu füllen, den es überhaupt jemals gegeben hat. Knutschwasser!
„Bist du schon oft hier gewesen“, fragte ich Stella.
„Ja früher als ich so alt war wie du, da schon, aber jetzt war ich bestimmt schon seit acht Monaten nicht mehr hier. Aber es ist nicht etwa so, dass die Knutschkugellandbewohner deshalb eingeschnappt wären oder so. Im Gegenteil, die merken das gar nicht. Bei denen funktioniert das mit der Zeit nämlich ein wenig anders als bei uns“, antwortete sie mir und verstaute die mit Knutschwasser gefüllten Flaschen in ihrem Rucksack. Dann ging sie zu einem Baum, der in der Nähe stand und pflückte noch ein paar seltsam aussehende Früchte, die sie ebenfalls in unsere Rucksäcke steckte.
Während wir uns so darüber unterhielten, wie oft Stella schon hier gewesen war, entdeckte ich noch einige andere Bewohner der Ankunftsoase, die mir freundlich zuzwinkerten und winkten.
Stella stellte sie mir alle vor. „Das da drüben auf der Veranda vor dem gelben Haus, das ist der Peter.“ Ich schaute neugierig zu dem Haus, auf das Stella zeigte und entdeckte einen Mann mit einer großen knolligen Nase und dünnen, blonden Haaren, die oben schon zum größten Teil ausgefallen waren. Stella erklärte mir, dass Peter der Mann von Frieda und ein ganz toller Koch sei. Und sie bedauerte, dass wir an jenem Tag keine Zeit für ein gemütliches Essen in seiner Küche hatten.
Ein Stückchen weiter zurück lag eine große Werkstatt mit blauen Wänden und grünen Türen. Sie gehörte den Drillingen Bodo, Jürgen und Karlchen, die alle drei handwerklich sehr begabt waren, „also wenn du mal jemanden brauchst, der dir was baut oder repariert, dann frag die Drei.“ Stella winkte einem schmalen jungen Mann zu, der gerade aus dem großen Tor auf der Vorderseite der Werkstatt trat und sich genüsslich reckte und streckte. Seine schwarzen Haare glänzten in der Sonne. Kurz nach ihm traten zwei weitere junge Männer aus der Halle und sie sahen wirklich alle drei ganz gleich aus. Nur dass sie verschiedene Haarfarben hatten. „Du kannst sie ganz leicht unterscheiden. Bodo ist der mit den schwarzen Haare. Jürgen ist blond und Karlchen hat knallrotes Haar.“ Sagte Stella und die drei winkten uns munter zu.
Jetzt wandte sich Stelle nach rechts und ich sah einen wunderschönen Rosengarten, der von einem weißen Gartenzaun umschlossen war. Niemals habe ich so wunderschöne Rosen gesehen, wie in Klaras Rosengarten. Wir näherten uns und ich sah, dass verschlungene kleine Wege durch ihn hindurch führten, die mit weißen Kieselsteinchen ausgelegt waren. Am Ende des mittleren und größten Weges war eine kleine Rasenfläche und dahinter lag ein rosafarbenes Holzhaus mit einem weißen Dach. Vor der offenen Verandatür standen entzückende weiße Stühle um einen runden weißen Tisch herum. Eine wunderhübsche junge Frau mit großen blauen Augen, blonden Haare, die von einem rosa Häubchen bedeckt waren, saß am Tisch und trank aus zierlichem Porzellan Tee. Sie trug ein rosafarbenes Kleid, das zu ihrem Häubchen passte. Die einzig wirklich seltsame an ihr, war ihre rosaweiß karierte Haut.
Ihr gegenüber saß ein kleiner sehr rundlicher Mann, der ebenso blonde Haare hatte. Er trug einen feinen blauen Anzug und schwarze Lackschuhe und las in einer Zeitung. Seine Haut war ebenfalls kariert, aber nicht rosaweiß, sondern gelbweiß.
„Das sind Klara und Clownie. Sie wollen demnächst heiraten.“ Flüsterte Stella. „Klara ist eine Puppenmacherin.“
Ich sah mit funkelnden Augen zu den beiden herüber. „Und Clownie?“
„Clownie ist Pilot. Er fliegt einmal im Monat mit einer großen Kiste voller Puppen in die umliegenden Dörfer und Städte, um sie für Klara zu verschenken.“
„Er verschenkt die Puppen, die Klara herstellt? Warum?“ Ich runzelte überrascht die Stirn.
Stella lächelte, „Ach Kimi, ganz einfach, womit sollten sie sich denn bezahlen lassen? Im Knutschkugelland gibt es kein Geld. Hier leben alle Leute von Licht und Liebe und von dem, was an den Bäumen oder auf den Feldern wächst oder die Tiere den Menschen schenken. Alles gehört allen und jeder nimmt sich das, was er gerade braucht. Und weil Klara so viel Freude daran hat kleine Püppchen zu nähen und sie sie nicht alle für sich behalten kann, deshalb verschenkt sie sie an Leute, die sich darüber freuen“, sie blickte rüber zur Landebahn.

Ich folgte ihrem Blick und erschrak mich furchtbar. Auf der Landebahn stand ein riesiger Schmetterling mit einer Fliegerkappe auf dem Kopf.
„Hab keine Angst, das ist doch nur ein Schmetterlingsexpress.“
Ich klammerte mich an Stellas Arm und war mir sicher, ich würde nicht einen einzigen Schritt näher an den Schmetterling herangehen können. Doch meine Schwester zog mich einfach mit sich.
„Sieht so aus als hätte er es eilig, hat wohl noch viel zutun heute.  Komm lass uns doch einfach mal fragen, ob für uns noch zwei Plätze frei sind!“ Sie begrüßte den Schmetterling mit seinem Namen, die beiden schienen sich also zu kennen, und fragte, ob er uns ein Stück mitnehmen würde.
Ich verstand kaum ein Wort von dem was er antwortete, weil Schmetterlinge einen ziemlich merkwürdigen Akzent haben. Es klang ein bisschen so wie bayrisch. Fasziniert starrte ich auf die schimmernden bunten Flügel und die Gondel, die mit starken Riemen am Rücken des Schmetterlings befestigt war.
„Was hat er denn gesagt“, fragte ich Stella, die mich bereits die Leiter hoch schob.
„Er hat gesagt, dass er nach Gänseblümchenstadt fliegt und wir einsteigen können. Also, auf nach Gänseblümchenstadt.“
Wir winkten Frieda zum Abschied, die noch immer mit ihrem Korb an der Landebahn stand und schon hob der Schmetterlingsexpress vom Boden ab. Mir wurde ein wenig flau in der Magengegend. Immer höher und höher schwang er sich hinauf. Ich traute mich kaum herunter zu schauen, aus Angst wir könnten abstürzen, wenn ich mich bewegen würde.
„Du siehst ein wenig grünlich aus, ist alles in Ordnung? An so einen Schmetterlingsflugstil muss man sich erst einmal gewöhnen, nicht wahr?“
Ich nickte nur und versuchte tief ein- und auszuatmen. Nach ein paar Minuten wurde es besser und ich traute mich sogar nach unten zu schauen. Wir flogen immer Richtung Süden und es kam mir so vor, als würde der Schmetterling mit jedem Flügelschlag schneller werden.
Stella erklärte mir, was wir unter uns alles sahen. Wahrscheinlich um mich abzulenken. Und ich war ihr sehr dankbar dafür.
Da war zu aller erst einmal, die gelbe Wüste in der wir allerlei kamelartige Wesen sahen, danach kam das Steintal und dann ein großer Wald und der Elfensee. „Da sollten wir auch einmal hingehen. Elfen sind wirklich nette kleine Wesenheiten, zwar manchmal ein wenig albern, aber wenn man Glück hat und sie einen besonders gerne mögen, dann nehmen sie einen mit auf ihr Elfenschloss hoch oben in den Bergen. Und du glaubst es nicht, aber Elfen lieben es Ski zu fahren, da sind die ganz verrückt nach.“
Dann beugte sie sich vor und rief dem Schmetterling zu: „Ist es noch weit bis nach Gänseblümchenstadt? Unser kleiner Gast muss sich nämlich erst an Schmetterlingsflüge gewöhnen.“ Der Schmetterling gab ein seltsames Geräusch von sich, das ich für ein glucksendes Lachen hielt und nickte. Mit einem seiner Arme zeigte er auf eine Stelle nur wenige Meter vor uns.
Da tauchte seitlich der hohen Berge eine Stadt auf, die von hier oben, wie eine große Wiese mit großen Gänseblümchen aussah. Gänseblümchenstadt! Und ich verstand auch sofort, warum man diese Stadt Gänseblümchenstadt nannte. Oben auf der Spitze des Kirchturms war eine große Gänseblume befestigt, anstatt eines Wetterhahns.
„Jetzt halt dich noch mal gut fest, denn wir landen“, ermahnte mich Stella und dann hatten wir auch schon wieder festen Boden unter den Füßen.  „Siehst du, war doch gar nicht so schlimm. Tschüß Alois, man sieht sich“, rief sie dem Schmetterling zu, als wir von seinem Rücken gestiegen waren.

Wir standen mitten in einem Haufen Gänseblümchenstädter, die uns freundlich begrüßten und uns Girlanden aus Gänseblümchen um den Hals hängten. Zuerst suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen um ein wenig von dem Knutschwasser zu trinken und uns zu orientieren. Dann besuchten wir eine Buchhandlung, in der es Hunderte von Büchern über Gänseblümchen gab. Bauen mit Gänseblümchen, Kochen mit Gänseblümchen, Schreiben mit Gänseblümchen und so weiter und so fort. Die Liste dessen, was man mit Gänseblümchen machen kann ist endlos. Nachdem wir den Buchladen verlassen hatten, aßen wir ein Gänseblümcheneis und besichtigten die Altstadt, in der alle Häuser aussahen, die gelb weißen Blümchen, nach denen die Stadt benannt war. Zum Schluss betraten wir die Kirche.
So eine Kirche hatte ich noch nie gesehen. Überall standen Trampoline, lagen große weiche Kissen und hingen Seile und Schaukeln von der Decke. Leise aber fröhliche Musik klang durch den Raum.
„Bitte Stella dürfen wir ein bisschen herumtoben“, bettelte ich und sie nickte schelmisch. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir herumtobten, fangen spielten mit anderen Kindern, schaukelten, hüpften und rutschten. Nach einer ziemlich langen Zeit kam Stella auf die Idee ein Wettklettern an zwei Seilen zu machen, die durch eine kleine Luke in das darüber liegende Geschoss führten.
Oben angekommen sahen wir uns erst einmal um. Durch die Luke, durch die wir hereingeklettert waren, drang noch das Gelächter der Knutschkugellandbewohner, die sich zur Zeit dort unten vergnügten. Doch hier oben waren wir beide ganz alleine. Der Fußboden war aus Holz, dass einen unbeschreiblich schönen Duft freisetzte.
Sehr groß war der Raum nicht. Er wirkte, wie ein kleines Burgzimmer. An die Wände hatte ein äußerst begabter Mensch eine wunderschöne Landschaft mit vielen Gänseblumen und darüber hinwegfliegenden Engeln gemalt. Einige der Engel hielten kleine Töpfchen mit goldenem Pulver, wahrscheinlich eine Art Engelstaub, in den Armen und streuten hier und da etwas von dem Pulver auf die Wiese. Woraufhin riesige Gänseblümchen aus der Erde wuchsen. An einer anderen Stelle sah man, wie Knutschkugellandbewohner an diesen riesigen Gänseblümchen herumarbeiteten und schließlich diese hübschen Häuser daraus entstanden.
Dann war da noch ein riesiges Gänseblümchenschloss abgebildet, dass ein wenig im Hintergrund stand. Seltsam, das hatte ich während unseres Rundfluges gar nicht gesehen. Als ich es näher betrachtete, entdeckte ich hinter einem der Fenster eine Bewegung. Wie konnte das sein? Es war doch nur ein Bild. Konzentriert schaute ich noch einmal genauer hin, doch ich konnte nichts mehr erkennen. Also drehte ich mich um zu dem einzigen kleinen Fenster, dass es in diesem Raum gab. Dort stand Stella und schaute durch ein riesiges Fernrohr, das dort befestigt war. „Sie nur Kimilein, ein Schloss.“
Ich ging zu ihr und schaute ebenfalls durch das Fernrohr, tatsächlich das war das Schloss, das auch auf der Wandmalerei abgebildet war. Wunderschön ragten zwei riesige Gänseblümchentürme in den Himmel. Die weißen Blätter reflektierten das Licht der Mittagssonne so stark, dass ich die Augen zusammenkneifen musste.
Plötzlich hörte ich zarte Klänge und Stella zupfte an meiner Jacke. Ich drehte mich um und da stand sie. Eine wunderschöne kleine Prinzessin so zierlich, wie eine Gänseblume. Sie trug ein glänzendes grünes Kleidchen, ihre beinahe weißblonden Haare waren zu kleinen Zöpfchen geflochten, aufgedreht und hochgesteckt, in der Mitte saß ein kleines goldenes Krönchen. In ihrer rechten Hand hielt sie einen kleinen Stab, der ebenfalls aussah, wie ein Gänseblümchen. Ich hielt den Atem an, als sie mit zarter, leiser aber doch den ganzen Raum erfüllenden Stimme zu sprechen begann.
„Hallo, mein Name ist Gänseblümchen und ich bin die Prinzessin, die in dem Schloss lebt, das ihr dort durch das Fernglas gesehen habt. Verratet ihr mir eure Namen?“
Stella fand vor mir ihre Stimme wieder und stellte uns ihr vor.
„So, so ihr seid also auf einer Entdeckungsreise! Ich beobachte euch schon eine ganze Weile durch mein Zauberfenster. Und ich möchte euch um einen großen Gefallen bitten.“
„Was... äh was, was immer ihr wünscht, Prinzessin“, stotterte ich. Wie sollte man einem Wesen mit einer solchen Ausstrahlung etwas abschlagen.
Sie lächelte, “ aber ihr wisst doch noch nicht einmal, um was ich euch bitten möchte!“
„Ja“, brachte Stella hervor.
Die Prinzessin lächelte, „also es geht um folgendes: Ich schlich mich vor kurzem des Nachts heimlich aus dem Schloss, um bei Vollmond am Elfensee zu spielen. Dabei habe ich meine liebste Brosche verloren. Sie fiel in den See und sank zum Grund, wo sie von der Prinzessin der Seeelfen gefunden wurde. Sie schwamm mit ihr davon, ehe ich etwas unternehmen konnte. Und was hätte ich auch schon tun können, wir Gänseblümchenstädter können nämlich leider nicht tauchen, weil wir sonst unseren Blumenstaub verlieren und das wäre ein großes Unglück.“
Erst jetzt wurde ich mir des seidigen Schimmern auf ihrer Haut bewusst.
„Werdet ihr mir helfen“, sie sah uns fragend an.
Stella und ich nickten im selben Moment und zauberten damit ein glückliches Lächeln auf die Lippen der Prinzessin.
„Hier nehmt diesen Gänseblümchenzauberstab mit. Er wird euch alle Türen öffnen und euch helfen, wenn ihr einmal nicht weiter wisst.“ Sie überreichte uns ihren Stab und verschwand auf genauso geheimnisvolle Weise, wie sie gekommen war.
Mein Blick fiel erneut auf das Schloss das auf der Wand abgebildet war und da war sie wieder diese Bewegung, doch dieses mal blieb die Erscheinung lange genug, um sich zu erkennen zu geben. Es war die Prinzessin, die sich hinter einem Vorhang versteckte, aber dann und wann neugierig zwischen einem Spalt hindurch blinzelte.
Einen Augenblick lang standen wir noch reglos da und schauten auf den Zauberstab. Doch dann kletterten wir zurück in den großen Kirchenraum, in dem inzwischen ein kleiner dicker Mann, der auf einer kleinen Kanzel stand, für Ruhe sorgte. Als alle still waren, begann er zu singen, von den Engeln, die mit ihrem Engelstaub das Knutschkugelland erschaffen hatten und alle sangen mit. Sie hielten einander an den Händen und bildeten einen großen Kreis, in den sich nun auch der kleine Mann einfügte, der in seinem grünen Umhang, ein wenig an einen zu dick geratenen Superhelden erinnerte. Wir wollten nicht stören und schlichen leise zum Ausgang und hinaus auf die Straße.

Gegen Mittag waren die Straßen plötzlich überfüllt mit Menschen, die Körbe voller Brot und Früchten umher trugen. Sie verschenkten sie an jeden, der darum bat. Auch zu uns kam ein älterer Mann mit grauen Haaren und einem lustigen Schnauzbart und bot uns etwas zu Essen an, was wir dankend entgegen nahmen. Für mich war es immer noch etwas seltsam nicht für etwas zahlen zu müssen, aber Stella verneigte sich vor dem Mann und sagte: “Wir danken dir! Licht und Liebe für dich. Möge der Himmel über dich wachen.“ Daraufhin verneigte auch er sich und wünschte uns das gleiche.
„Ist es nicht wunderschön hier? Warst du jemals zuvor an einem Ort wie diesem? Einem Ort an dem die Farben frischer und kräftiger sind, als irgendwo sonst? Ein Ort an dem die Menschen einander und die Pflanzen und Tiere in einem solchen Ausmaß respektieren und lieben“, schwärmte Stella während sie sich ein Stück Brot abriss und in den Mund stopfte.
Ich spürte, wie glücklich sie war und lächelte sie ebenfalls glücklich an. „Nein, an einem Ort, wie diesem bin ich wirklich noch nie gewesen“, antwortete ich ihr. Hier war alles anders und irgendwie schien auch alles möglich, zumindest für uns beide in diesem Augenblick.
Wir wanderten auf der Hauptstraße durch die Stadt, die viel größer war, als ich gedacht hatte. Als wir die Stadt verließen winkten uns die Leute, die sich in der Nähe der Stadttore befanden nach und riefen: „Auf Wiedersehen. Kommt bald wieder!“
Zu unserer Linken standen Bäume und Büsche, die uns Schatten spendeten. Zu unserer rechten war eine riesige Wiese, die mir unendlich schien und auf der allerlei Blumen wuchsen.
Schon nach kurzer Zeit kamen wir an eine Flussbiegung, der wir von nun an folgten. Stella war sehr schweigsam, genoss all die Schönheit um sich herum. Auch ich sah all diese Pracht, aber ich hatte Schwierigkeiten damit das alles auch zu verstehen, angefangen mit den Bäumen, deren Rinde teilweise buntgefleckt oder kariert waren. Deren Blätter manchmal aus Glas, manchmal aus einer Substanz, die wie Wackelpudding aussah, bestanden. Die Früchte waren nicht immer nur rund, wie zum Beispiel die Baglapfrie. Es gab auch rechteckige Nüsse, um an deren Frucht zu gelangen, musste man lediglich ein kleines Türchen öffnen. Oder gestreifte Bananen, die geschält, von den Kronen der Palmen ragten.
Und dann dieses durcheinander der Pflanzevielfalt. Da standen Palmen neben Tannen, Birken neben Apfelsinenbäumen und Weinstöcke neben Algen, die wiederum mitten auf den Wiesen wuchsen und denen es scheinbar ganz egal war, dass es dort kein Wasser gab.
Hin und wieder sah ich kleine Wesen, die ich im ersten Moment für Bienen oder Schmetterlinge hielt, die sich aber bei genauen Betrachten als kleine Feen oder so etwas ähnliches entpuppten. Sie waren wie kleine Gärtner gekleidet und flatterten flink von einer zur nächsten Blume. Einige von ihnen harkten die Erde um die Blumen herum. Andere gossen, stutzten oder reinigten die Blüten, Blätter und Stängel voller Hingabe. Zweimal sah ich sogar, wie eine kleine Fee über einer Blume schwebte und ihr etwas vorlas. Und egal in welche Richtung die Fee auch flog, die Blume richtete sich immer in ihre Richtung auf. Sogar einen Notdienst gab es, wie ich beobachten konnte. Nahe dem Weg war eine Blume umgeknickt. Sofort nachdem es entdeckt worden war, eilte eine ganze Feenschar herbei um ihr zu helfen. Sie waren alle weiß gekleidet und taten ihr Bestes. Sie trugen Pasten auf, legten Stützverbände an und umarmten sie, redeten ihr gut zu und schon einen klitzekleinen Augenblick später streckte auch diese Blume sich wieder der Sonne entgegen.                 
So liefen wir also schweigend neben einander her, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, als hinter einer Abzweigung ein Bootsverleih auftauchte.
„Schau nur Kimi, Boote“, rief Stella freudestrahlend und rannte voraus.
Boote? Das waren keine Boote, das waren Schwäne. Nicht solche, wie ihr sie aus den Freizeitparks kennt. Richtige echte Schwäne. Jeder so groß, dass man bequem zu zweit auf ihren Rücken passte. Stella war bereits im Gespräch mit einem von ihnen.
„Kimi, das hier ist Schwez-luss. Wir kennen uns schon von einem meiner früheren Besuche. Er sagt, er weiß wo die Prinzessin der Seeelfen wohnt. Er bringt uns hin. Komm schon, steig auf.“
Ich stellte mich Schwez-luss vor und stieg auf seinen Rücken, wo wir gemütlich zwischen seinen aufgestellten Flügeln Platz fanden.
Leider war er ein leidenschaftlicher Sänger. Leider weil, Schwäne nicht gerade die besten Sänger sind. Stella schien das nicht zu bemerken und auch ich tat so, als hätte ich niemals eine lieblichere Stimme als die seine gehört.
Zum Glück war es nicht mehr weit gewesen. Schon nach ein paar Minuten hatten wir unser Ziel erreicht, denn auch wenn er nicht wirklich schön singen konnte, so war er dafür einer der schnellsten Schwäne in der Gegend, das erzählte Stella mir später einmal.

Da standen wir nun am Elfensee und wussten nicht so recht was nun.
Von dem Brot, das uns der nette Mann in Gänseblümchenstadt gegeben hatte, war noch etwas übrig geblieben und so beschlossen wir erst einmal zu rasten, um uns ein wenig zu stärken. Von einem der umstehenden Bäume pflückten wir ein paar Früchte und aus einer nahen Quelle füllten wir unsere Wasserflaschen mit Knutschwasser auf. Dann setzten wir uns in den Schatten eines Baumes und aßen.
Ich sah mich um und bemerkte die Ruhe und Schönheit dieses Ortes.
Das Wasser des großen ovalen Sees war klarer, als jedes andere Gewässer, das ich je gesehen hatte. Und seine Ufer waren umrahmt von weißen Kieselsteinchen. Hinter der Wiese, auf der wir es uns gemütlich gemacht hatten, standen große alte Bäume, die sich sanft im Wind wiegten.
Während wir so da saßen, erzählte Stella mir von einem Tag vor vielen Monaten, an dem sie schon einmal hier an diesem See gesessen hatte und ganz plötzlich von einer Feenkinderschulklasse mit ihrer Lehrerin überrascht worden war. Entzückt war die Lehrerin stehen geblieben, um an Stella die Anatomie der großen Menschenkinder erklären zu können und hatte damit für einige Aufregung unter den Schülern gesorgt, als sie verkündete, dass Menschenkinder unter Flügelverschwund litten.
„Flügelverschwund“, lachte ich und lauschte ihrer Geschichte.
Eines der Feenkinder hatte so großes Mitleid mit ihr gehabt, dass es ihr eins.. zwei... drei.. Feenzauber einfach welche gewünscht hatte. Woraufhin Stella den gesamten restlichen Aufenthalt im Knutschkugelland mit winzigkleinen Feenflügeln herumgerannt war, die ihr Gewicht natürlich nicht tragen konnten und entsetzlich kitzelten.
„Lieb gemeint war es ja, aber ich war schon froh, dass sie bei meinem darauffolgenden Besuch im Knutschkugelland nicht erneut nachwuchsen.“
Wir lachten beide herzlich, als wir ein grunzendes Brummen hinter uns bemerkten. Beinahe wäre mir das Herz stehen geblieben, als ich mich umdrehte und ein breites Grinsen auf dem Baum entdeckte. Und da waren ja auch eine Nase und Augen und... Ohren.
Wenn ihr schon einmal einen Baum mit einem Gesicht gesehen habt, der lachen und sprechen kann, dann wisst ihr, was für ein Schock das ist.
Mit tiefer Stimme sagte er, er kenne diese kleine Fee, ihr Name sei Fliederia und sie habe ein chronisches Mitleidssyndrom mit allem, was keine Feenflügel habe. Auch er habe bereits dieses Kitzeln im Rücken gespürt und musste zwei Tage lang damit zubringen, ohne sich selbst kratzen zu können. Erst dann sei die Lehrerin zufällig vorbei gekommen und habe ihn erlöst.
Bäume sind recht lustige Zeitgenossen, musste ich feststellen. Wer hätte das gedacht. Der Baum, sein Name war Birker benannt nach seiner Großmutter Birke, hatte eine Menge lustiger Geschichten auf Lager und schaffte es uns, eine ganz schön lange Zeit, damit von unserer eigentlichen Aufgabe abzulenken. Doch dann fiel es mir wieder ein und ich nahm den Gänseblümchenzauberstab zur Hand.
“Was meinst du, Stella? Sollten wir uns vielleicht wünschen, dass wir unter Wasser atmen und sehen können und dazu noch ein paar Schwimmflossen? Dann könnten wir in aller Ruhe hinab in den Elfensee tauchen und nach der Seeelfenprinzessin suchen.“
Stella schmunzelte, “langsam kommt Deine Fantasie zum Vorschein, was? Lass es uns so machen. Aber dann sollten wir uns auch noch wünschen, dass wir unter Wasser hören und sprechen können.“
Gesagt, getan! Plopp, standen wir im Wasser. Stella wünschte noch schnell den Rucksack wasserdicht und verstaute darin den Gänseblümchenzauberstab, dann tauchten wir hinab.

Das Wasser war angenehm warm und sehr klar, kein Vergleich zu dem Teich in unserem Garten. Überall schwammen leuchtende bunte Fische umher und in nicht allzu weiter Ferne sahen wir das Schloss der Seeelfen.
„Hoffentlich ist jemand zuhause“, gab ich zu bedenken. Denn es sah ziemlich verlassen aus da unten.
Wir kamen immer näher und tatsächlich sah es so aus, als sei niemand zuhause. Am Tor zogen wir an einer Muschelglocke und  warteten. Als wir schon wieder umkehren wollten, öffnete sich ein kleiner Spalt der Tortür und ein recht verschlafen wirkender Wachmann mit Schlafmütze schaute heraus. Er sah uns, riss die Augen auf und war scheinbar schlagartig hellwach. „Wer seid denn ihr? Ihr seid doch keine Seeelfen! Und dann auch noch am helllichten Tag, wo alle schlafen. Das glaubt mir ja wieder kein Elf, wenn ich das nachher in der Destille erzähle. Was ist hier bloß los im Moment? “ Er redete und redete und redete... ein komischer Kerl war das.
Noch niemals hatte ich ein Wesen, wie ihn gesehen. Seeelfen hatte ich mir eher so vorgestellt, wie Meerjungfrauen, aber davon war dieser Wachposten nun wirklich weit entfernt. Er war in etwa so groß wie ich, hatte statt Haaren ein  buntes Muster auf der Kopfhaut, was ich sah, als er seine Schlafmütze abnahm, um aufgebracht darauf herum zu hüpfen. Dieses bunte Muster setzte sich über seinen gesamten Körper fort. Zwischen den Armen und den Hüften spannten sich Häute, die wie Flügel aussahen, wenn er die Arme ausstreckte. Zwischen seinen Beinen spannte sich ein ähnliches Häutchen, das er sehr weit dehnen konnte.
Alles in allem sah er fantastisch aus, wenn man zuvor noch nie einen Seeelf gesehen hat. Nach einer Weile wurde mir sein Gemecker zu blöd.
„Ist die Prinzessin zu sprechen“, versuchte ich ihn vorsichtig zu unterbrechen, da ertönte auf einmal der Klang eines großen Gongs.
Der Wachmann hörte sofort auf sich so schrecklich aufzuregen, weil wir ihn geweckt hatten und noch dazu so komisch aussahen, stellte sich kerzengerade hin und sagte, „jupp, jetzt geht die Sonne gleich unter und die Seeelfen werden alle munter. Tretet ein!“ Er ließ uns herein und  brachte uns zu seinem Vorgesetzen, dem Hereinlasswasserelf. Der Hereinlasswasserelf saß hinter einem großen Schreibtisch und sah noch sehr, sehr müde aus. Er hatte so ganz und gar keine Ähnlichkeit mit dem Wachmann. Im Gegenteil, er war ungefähr doppelt so groß und dick, wie der Wachmann und trug einen seltsamen Helm, wie ich sie aus meinen Büchern über die Ritterzeit kannte. Sein langer Bart schwamm ihm die ganze Zeit direkt vor der Nase herum und veranlasste ihn dazu andauernd mit seiner Hand danach zu greifen, um ihn zu glätten und an seine Brust zu drücken. Im ganzen erinnerte er eher an eine überdimensional große Schildkröte mit seinem breiten Kopf und dem Schnabelartigen Mund. Mit seltsam heller Stimme, die überhaupt nicht zu seinem Aussehen passte, fragte er uns: “ Was hat sich denn da, zu uns verirrt und warum?“
Stella sah ihn freundlich an, schilderte ihm kurz die Situation und bat um ein Gespräch mit der Prinzessin.
Der Hereinlasswasserelf musterte uns. „Ihr wisst also von dieser schrecklichen Brosche? Und von wem sie geschickt wurde? Das wird den König sehr interessieren.“
Schwerfällig glitt er von seinem Stuhl, wobei sein riesiger Gürtel zum Vorschein kam, an dem unendlich viele Schlüssel hingen. Ob er wohl wusste zu welchem Schloss jeder einzelne gehörte?
Wir folgten ihm durch eine Tür in einen langen Gang, in einen wirklich langen Gang oder kam es uns nur so vor, weil der werte Herr Hereinlasswasserelf so langsam ging? Nach einer halben Ewigkeit bog er links ab und öffnete eine weitere Tür, die uns zu einem Labyrinth von Türen und Gängen führte, die niemals enden wollten. Ich dachte schon, wir müssten bis ans Ende unserer Tage durch dieses Labyrinth irren, da kamen wir endlich an eine Tür für die der Hereinlasswasserelf keinen Schlüssel hatte und an die er deshalb nur anklopfte. Es war ein schrecklicher Lärm zu hören hinter dieser letzten Tür und dann schnelle Schritte und das Geräusch von Schlüsseln, die von innen ins Schloss gesteckt wurden und aufschlossen. Die Tür öffnete sich und ein ziemlich genervt dreinblickender zweiter Hereinlasswasserelf, der genauso aussah, wie der erste und auch genauso viele Schlüssel an seinem Gürtel trug, blickte uns an.
„Was ist denn hier los“, fragte er und mit einem Blick auf uns, „wer sind denn die?“
Der erste Hereinlasswasserelf erklärte ihm, dass wir auf der Suche nach DER Brosche seien und wer uns geschickt hatte, woraufhin der zweite Elf uns sofort hereinließ mit den Worte, „na, Gott sei Dank!“

Der Raum war königlich hergerichtet. Die Wände schimmerten in einem hellen perlmut-türkis und überall hingen Algengirlanden. Den Boden zierte ein buntes Perlenmosaik und auf einer kleinen Erhöhung am anderen Ende des Saals stand ein Thron auf dem ein kleiner Elfenmann saß, der eine viel zu große Krone trug. Seltsamerweise sah er gar nicht aus, wie ein Meeresbewohner, sondern eher, wie ein ganz normaler Elf. Als wir eintraten schaute er neugierig über das Gewusel zu seinen Füßen hinweg. Dieses Gewusel zu seinen Füßen schienen seine Töchter und Söhne zu sein und davon hatte er nicht gerade wenig. Soweit ich das in dem Chaos überblicken konnte, waren es ungefähr achtzehn kleine Elfenprinzessinnen und zwei kleine Elfenprinzen, die allesamt mit frechen kleinen Bikinis, Badehosen und Schwimmflügeln ausgestattet waren.
Der Hereinlasswasserelf bahnte sich einen Weg durch die völlig überdrehte Elfenkinderschar zum Thron. Wir folgten ihm so gut es halt ging. Der Hereinlasswasserelf flüsterte dem König etwas ins Ohr und zog sich dann zurück.
„So, so... ihr sucht also nach dieser vermaledeiten Brosche! Ich auch! Wusstet ihr das derjenige, in dessen Besitz sich die Brosche befindet, Jedem jeden Wunsch erfüllen kann? Und ist dieser erst einmal in Erfüllung gegangen, dann kann nur der jenige der den Wunsch ausgesprochen hat ihn zurücknehmen und auch nur indem er die Brosche erneut um einen Wunsch bittet.“
Wir sahen ihn aus großen Augen, fragend an. „Nein das wussten wir nicht“, sagte ich schnell, als er seine Augen gereizt zusammen kniff.
„Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, sind wir keine Seeelfen, sondern Bergelfen! Jetzt fragt ihr Euch natürlich, wie kommt der Bergelfenkönig samt seiner Kinder und Frau, hier unten ins Seeelfenschloss und wo sind die Seeelfen, nicht wahr?“
Wir nickten!
„Nun, dann will ich es euch erzählen.“ Er holte tief Luft und wollte gerade beginnen, als eine der kleinen Prinzessinnen die Luft aus einem der Schwimmflügel der Prinzen ließ. Dieser schoss, wie ein Wirbelwind durch den Raum und schrie hysterisch auf, woraufhin alle anderen Elfenkinder anfingen zu lachen. Der König lief knallrot an vor Wut und schrie seine Frau an, sie solle doch endlich etwas unternehmen. Doch die funkelte ihn ebenso wütend an und verschränkte die Arme vor der Brust.
Der König schloss einen Moment lang die Augen, musste scheinbar um Fassung ringen, dann erzählte er uns, was sich zugetragen hatte.
Die Seeelfenprinzessin hatte vor einiger Zeit eine wunderschöne Brosche im See gefunden und sie mit nachhause genommen. Mehr als alles andere im Knutschkugelland wünschte sie sich einmal mit ihrer gesamten Familie Skiurlaub zu machen. Die Brosche erfüllte ihr ihren Wunsch. Aber da es ein altes Gesetzt im Knutschkugelland gibt, das besagt, es darf nie zwei Elfenkönige geben, die über ein Schloss und das Volk drum herum wachen, hatte die Brosche die Bergelfen hier her ins Seeschloss gezaubert. „Das heißt ein Haufen Seeelfen sitzt jetzt in meinem Schloss in den Bergen und fährt Ski, während ich hier mit meiner Familie unfreiwilligen Unterwasserurlaub machen darf. Meine Kinder sind schon ganz nervös, weil sie nicht ausgelastet sind. Ihnen fehlen das fliegen und das Skilaufen. Schwimmen können sie auch nicht richtig!“
Wir senkten bekümmert die Blicke. So verzwickt hatten wir uns unsere Aufgabe nicht vorgestellt.
„Wenn ihr diese Brosche findet und das ganze Theater rückgängig macht, dann habt ihr Euch eine wahre Belohnung verdient“, fügte der König noch hinzu und drehte sich erneut zu seiner Frau um, die inzwischen völlig aufgelöst hinter vereinzelten Elfenkindern herschwamm, um sie zu einem ruhigeren Spiel zu animieren. Vergeblich!
„Oje, da ist ja wohl irgendwas richtig schön schief gelaufen. Am Besten wir machen uns sofort auf den Weg in die Berge“, schlug Stella vor und schon waren wir auf dem Rückweg zum Ufer des Sees.
Nachdem wir aufgetaucht waren, wünschte Stella uns in unsere wahre Gestalt zurück und wir überlegten, wie jetzt am Besten vorzugehen sei.
„Wie wäre es mit einem Schmetterlingsexpress“, fragte ich zaghaft, doch der flog um diese Zeit nicht mehr. Es war bereits Nacht, der Mond stand in seiner vollen Schönheit am Himmel und die Sterne blinkten wie Diamanten am Firmament. Als wir noch überlegten, wie wir jetzt am schnellsten in die Berge kommen sollten, landete neben uns ein riesiger Vogel.
Da ich mich an so etwas inzwischen gewöhnt hatte, erschreckte ich mich nur ein klitzekleines bisschen.
„Ah, gute Abend meine verehrte Damen, ich abe eine Anruf von eine ziemlich genervte Konig bekommen, der mir sagte, irgendwo an diese See wurden zwei Menschen dringend auf eine Adlernachtflugexpress warte. Seid ihr das?“
„Und ob wir das sind. Wir müssen dringend in die Berge zum Bergelfenschloss“, freute ich mich und kletterte auf den Rücken des Adler, wo sich ein gemütliches Sofa befand. Stella folgte mir und der Adler startete zu einem der schönsten Flüge, die ich jemals erleben durfte. Die Nacht war herrlich und das was wir im Schein des Mondes von der Landschaft erhaschten, war einfach toll. Doch schon ziemlich bald schliefen wir aneinander gekuschelt ein und erwachten erst, als die ersten Sonnenstrahlen uns weckten und es merklich immer kälter wurde.
„Puh, ist mir kalt! Wie lange wird der Flug denn noch dauern? Wir fliegen ja schon die ganze Nacht“, fragte ich den Adler, mit dem edlen Namen Konstantin.
Er drehte kurz seinen Kopf in unsere Richtung und antwortete, „erste einmale eine wunderschonen gute Morgen meine kleine Damen! Greifte male unter eure  Sitze, da mussten noch warme Jacke, Schneestiefeln und Schneehose liegen. Ihr abt eh noch genugend Zeit um euch umzuziehen.“ Konstantins Dialekt war selbst für mich zu verstehen, hörte er sich doch fast genauso an, wie der nette italienische Eisverkäufer bei uns zuhause um die Ecke.
Konstantins Zeitangabe war im übrigen  perfekt. Wir hatten uns gerade in die dicken Winterklamotten gehüllt, da kam auch schon das Schloss der Bergelfen in Sicht und mit ihm eine ganze Menge Schnee.
Unser Adlernachtflugexpress hatte mächtig mit den starken Winden zu kämpfen, doch die Landung war trotz allem sehr angenehm. Wir bedankten uns bei Konstantin, für den guten Flug und stapften die letzten Schritte bis zum Tor durch knietiefen Schnee, was viel anstrengender war, als ich mir das vorgestellt hatte.

Das Tor war aus glänzendem Eis gefertigt, wie der Rest des Schlosses auch. Man sah durch die eisigen Mauern das Licht der dahinter aufgehenden Sonne. Gerade griff ich zur Eisglockenklingel, als ein kleiner Schneeteddy um die Ecke marschiert kam, vor uns stehen blieb, uns mit seinen riesigen schwarzen Augen ansah und sich dann mit einem erfreuten, „moin, moin“, um unsere Beine warf.
Ein Schneeteddy, was ist das, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. Schneeteddys sind klitzekleine... so ca. 50cm große Bären, die sich aber selbst lieber Teddys nennen, weil sie nämlich so gerne kuscheln.
Dieser Schneeteddy war allerdings nicht der einzige Teddy, der an diesem frühen Morgen unterwegs war. Kaum hatte er sich an je eines unserer Beine gekuschelt, da kamen noch fünf weitere Teddys um die Ecke gewatschelt. Wie ihr Verwandter vor ihnen, sahen sie uns erst erstaunt und dann freudig erregt an, um sich dann ebenfalls mit einem, „moin, moin“, auf uns zu stürzen und sich einen möglichst guten Platz zum knuddeln an uns zu sichern.
Ihr müsst nun aber nicht denken, dass es damit getan gewesen wäre. Schneeteddys sind leidenschaftliche Schnurrer. Wie eine Horde liebestoller Katzen klammerten und schnurrten sie an uns herum. Es war uns unmöglich, uns auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Glücklicherweise kam, einen viel zu langen Augenblick später, eine kleine Elfe mit einem riesigen Ast in der Hand und scheinbar einer Menge Wut im Bauch, um die gleiche Ecke, wie zuvor die Teddys. „Da seid ihr ja ihr ungezogenen kleinen Monster. Hatte ich euch nicht gesagt, ihr sollt ins Badezimmer gehen und euch waschen, ihr kleinen Stinker?“
Schlagartig ließen die Schneeteddys von uns ab und liefen aufgeregt zurück, von wo sie gekommen waren, wobei sie die ganze Zeit jammerten: „Och nee! Wat n Schiet!“
Die kleine Elfe würdigte Stella und mich keines Blickes, viel zu beschäftigt war sie mit ihrem scheinbar schweren Stock und den ungewaschenen kleinen Kerlchen, denen sie auf der Stelle schimpfend hinterher jagte.
Verblüfft sahen wir uns an, lachten und richteten unsere Kleidung, ehe wir uns trauten zu klingeln.
Das Tor wurde sofort geöffnet, von zwei kleinen Bergelfenwächtern, die trotz ihrer kleinen Körpergröße ziemlich stark aussahen, was vermutlich an ihren muskelbepackten Oberkörpern lag, die sie in kleine Kampfanzüge gezwängt hatten. Sie flogen um unsere Köpfe herum und stellten abwechselnd so viele Fragen, dass uns ganz schwindelig wurde. Schließlich nahm Stella ihren Mut  zusammen und rief laut, „stopp jetzt! Wir suchen die Prinzessin, die die Brosche im Elfensee gefunden hat!“ Schlagartig waren die beiden Ninja- Elfen still, aber nur für einen Moment.
„Woher wisst ihr von der Brosche? Was wisst ihr von der Brosche? Herr je, was für ein Schlamassel. Na, dann kommt mal schnell mit.“
Wir traten ein und bemerkten recht schnell, dass es nicht so einfach war sich hier auf den Beinen zu halten, denn nicht nur die Mauern waren aus Eis, sondern  auch der Boden.
In diesem Schloss gab es zwar keinen Hereinlasser, aber dafür gab es einen Hohenrat. Die Ninja- Elfen führten uns in einen Raum, in dessen Mitte uns zwei Stühle zugewiesen wurden. Um uns herum standen zehn weitere Stühle und ein Thron. Nachdem wir Platz genommen hatten, kamen zehn  Elfen herein geflogen und verteilten sich auf den zehn Stühlen. Die Elfen hatten alle die gleichen Mäntelchen an nur in zehn verschiedenen Farben, weis, gelb, orange, rosa, rot, hellgrün, dunkelgrün, hellblau, dunkelblau und lila.
Alle Stühle waren jetzt besetzt und mir fiel auf, dass die Elfen schon recht alt aussahen. Nur der Thron blieb unbesetzt. Vermutlich, saß dort unter normalen Umständen der Bergelfenkönig.
Der kleine Elfenmann mit dem weißen Mäntelchen und dem weißen Bärtchen ergriff als erster das Wort. „Hiermit eröffne ich die Krisensitzung Nummer 1834 zum Thema: DIE BROSCHE!
Fremdlinge, bitte erzählt uns, was ihr über dieses Thema zu sagen habt“, die Stimme des kleinen  Elfenmannes war vor Aufregung sehr hoch.
Stella erklärte, wie Prinzessin Gänseblümchen sich zu weit über das Ufer des Elfensee gelehnt und dabei die Brosche verloren hatte. Wie sie uns gebeten hatte die Brosche für sie zu finden und zu ihr zurück zu bringen. Weiter erzählte sie von unserem Besuch im Schloss der Seeelfen und das wir dort erstaunlicher Weise auf die Bergelfen getroffen waren, die uns von dem Missglückten Broschenwunsch erzählt hatten und endlich zurück nachhause wollten. Und das wir nun hierher gekommen seien, um endlich die Brosche zu finden und dabei zu helfen, den missglückten Wunsch rückgängig zu machen.
Die buntbemäntelten Elfen hörten aufmerksam zu und nickten hier und da mit ihren kleinen Köpfchen. Als Stella geendet hatte erhob sich die rosa Elfe von ihrem Stuhl und kam ein Stück in die Mitte geflogen. „Die königliche Elfenfamilie, die normalerweise den See bewohnt, ist ebenso unglücklich, wie ihr es von unseren Herrschaften beschreibt. Die Prinzessin, die den Wunsch an die Brosche äußerte versuchte sofort nach ihrer Ankunft hier auf dem Schloss den Wunsch ungeschehen zu machen, aber es gelang ihr nicht. Seit dem ist das ganze Schloss in heller Aufregung, denn die Brosche ist Beschädigt.“
Stella und ich sahen uns zerknirscht an. Das war also der Grund, weshalb die Bergelfen noch im Seeschloss und die Seeelfen noch im Bergschloss festsaßen. Was sollte nun geschehen? Was konnte man tun, um zu helfen? In meinem Rucksack begann es zu vibrieren. „Der Gänseblümchenzauberstab“, rief ich aus.
Stella nickte eifrig und holte den Zauberstab hervor. Sobald sie ihn in der Hand hielt ging ein grünliches Licht von ihm aus, schoss durch den Raum an die Wand über den leeren Thron und warf ein Bild an die Wand. Die Elfen rückten aufgeregt etwas enger zusammen und rissen die Augen weit auf.
Schneegestöber war zu sehen und ein roter Berg an dessen Fuß ein großer mit roten Edelsteinen umrahmter Eingang erschien. Vor der Höhle liefen kleine Zwerge mit roten Nasen und grauen Mänteln umher und bewarfen sich gegenseitig mit Schneebällen. Dann ertönte die liebliche Stimme der Gänseblümchenprinzessin: „Eine Frucht für den König zum Geschenke, damit sich das Unglück zum Guten schwenke.“ Dann verstummte die Stimme und das Bild  verschwand. Die Elfen beratschlagten sich kurz und führten uns dann zum Badehaus der Hoheiten.
Welch ein Anblick bot sich uns dort. Die Seeelfen saßen zusammengekauert im Swimmingpool. Jede mit dickem Mantel, einer dicken Mütze, Handschuhen und einem Schal um den Hals. Ihre Nasen waren ganz wund und rot. Einige putzten sich ununterbrochen laut schnaubend die Nasen, andere husteten unaufhörlich und die Seeelfenprinzessin weinte bitterlich. Wir rutschten über den bunten Eisboden zu ihnen herüber.
Die rosa Bergelfe flog voraus, „Königliche Hoheit ein Ausweg ist gefunden.“
Alle sahen zu uns herüber und musterten uns neugierig. „Könnt ihr etwa helfen“, fragte der König verzweifelt.
Wir nickten und erklärten ihm, was zu tun sei. Die Seeelfenprinzessin hörte auf zu weinen, „mir tut das  alles so leid. Als ich sah, wie diese Brosche in den See fiel, da war ich wie verzaubert. Der Stein, er leuchtete so wundervoll, als hätte er das Sonnenlicht in sich aufgesogen. Ich musste ihn einfach behalten. Und als ich dann nachhause kam und in meinem Lieblingsbuch  über die Schneebedeckten Berge las, da wünschte ich mir so sehr, dass ich mit meiner Familie einmal Skiurlaub machen könnte. Und plopp, war es geschehen. Leider hatte der Wunsch aber nicht berücksichtigt, dass wir alle zwischen den Beinen Schwimmflossen haben und deshalb keine Schneeanzüge oder Schneestiefel tragen können, geschweige denn Skier und so sitzen wir die ganze Zeit in diesem Swimmingpool  und langweilen uns. Noch dazu kommt diese schreckliche Kälte, die wir nicht gewohnt sind. Da waren Erkältungen ja schon vorprogrammiert. Ich war so enttäuscht über diesen missglückten Wunsch, dass ich die Brosche in die Ecke schmiss und dabei muss dann ein kleines Stück abgebrochen sein.“
Sie überreichte uns die Brosche, die wie sollte es anders sein, die Form einer Gänseblume hatte. Die Blätter waren mit weißen Diamanten besetzt und in der Mitte war ein riesiger gelb orangener, transparent wirkender Orangencalcit. Ich konnte gut verstehen, dass die Seeelfenprinzessin ihre Finger nicht von dieser Brosche hatte lassen können. Dieses Leuchten war trotz der Beschädigung noch wunderschön. Stella nahm die Brosche und legte sie zu dem Gänseblümchenzauberstab in meinen Rucksack. Wir verbeugten uns vor den Hoheiten und alle wünschten uns viel Glück. Dann begleitete der hellblaue Elf uns hinaus.
„Ich weiß, wo die Höhle der Zwerge zu finden ist und wie ihr hingelangt. Nehmt meinen Schlitten und meine Schneeteddys, die kennen den Weg“, bot er uns an.
Schneeteddys?
Es dauerte keine fünf Minuten und ein prächtiger hellblauer Schlitten, der mit vielen hellblauen Eiskristallen verziert war, fuhr vor. Vor ihn waren die sechs Schneeteddys gespannt, denen wir schon am Morgen begegnet waren, und auf dem Bock saß die kleine Elfe mit dem großen Ast und lenkte den Schlitten.
„Moin, moin“, riefen die Teddys aus. „Nu ma los!“
Wir stiegen ein und die Elfe drehte sich zu uns um: „Bitte schnallt euch an, auch wenn es nicht so aussieht, Schneeteddys sind die schnellsten Läufer im ganzen Knutschkugelland.“
Und schon ging es los. Wir rasten so schnell über die Berge hinweg, dass ich die Landschaft kaum erkennen konnte und mir wieder einmal etwas flau im Magen wurde... immer höher und höher hinauf. Bis wir vor der Höhle der Zwerge ankamen, die in Natura noch viel schöner war, als auf dem Bild, das uns der Gänseblümchenzauberstab gezeigt hatte.

Der Berg schien irgendwie zu glühen, genauso wie der Stein aus der Brosche. Die roten Edelsteine, die das Tor schmückten blinkten und warfen ihr Licht auf den weißen Schnee, der dadurch in ein leichtes Rosa getaucht wurde.
Kaum hatte der Schlitten vor der Höhle gehalten, da kamen all die kleinen Zwergenkinder, die wir schon auf dem Bild an der Schlosswand gesehen hatten, herbei gelaufen und tummelten sich um den Schlitten, krauelten die Schneeteddys, die sofort laut zu schnurren begannen und halfen uns zuvorkommend, wie sie waren, aus dem Schlitten. Die kleine Elfe, die recht streng zu sein schien, rief so laut sie konnte: “ Weg da jetzt von den Teddys, sonst setzt es was.“
Sofort sprangen alle einen Meter zurück.
Die Schneeteddys blickten ein wenig mürrisch drein, schienen aber kein bisschen erschöpft von der anstrengenden Fahrt zu sein. Statt dessen hüpften sie aufgeregt auf der Stelle und plapperten wirr durcheinander. „Wat nu, Chef“, fragte der eine und ein anderer: „Nu ma los!“
Daraufhin piekste die Elfe dem hintersten Schneeteddy mit ihrem Stock in den Po, woraufhin der dem Teddy vor sich an dessen kleinem Puschelschwanz zog, was sich dann bis zum ersten Schneeteddy fortsetzte. Und dann ging es auch schon wieder auf und davon. Nicht einmal verabschiedet hatte sich die Elfe, viel zu beschäftigt war sie damit, die Teddys im Griff zu behalten.
Als der Schlitten in der Ferne verschwand drehten wir uns zum Tor um, atmeten tief durch und folgten den Kindern in das Innere der Höhle. Seltsam hier gab es gar keine Wachen, dachte ich noch, da kamen wir an ein weiteres Tor, dass noch viel prächtiger war als das erste. Hier standen sie, die Wachen, in Edelsteinbesetzten Rüstungen.
Wir erklärten, warum wir gekommen waren und man ließ uns herein. Drinnen war es sehr gemütlich und warm. Die Wände waren mit leuchtenden Teppichen behängt, die so aussahen, als wären sie aus purem Gold und Silber gewebt. An der Decke hingen Kronleuchter und der Boden war aus feinem Ebenholz gearbeitet. Eine Art Butler kam herbei geeilt und bat uns, die Schuhe auszuziehen. Dafür bekamen wir flauschige Fellpuschen.
Der Butler der sich uns als Gnomonus vorgestellt hatte führte uns in den Thronsaal.
Der Zwergenkönig war ein sehr junger König und freute sich aufrichtig uns zu sehen. „Setzt euch zu mir und sagt mir, was ich für euch tun kann!“
Wir setzten uns zu ihm an einen langen Tisch, der über und über mit den herrlichsten Steinen besetzt war.
Ich holte aus meinem Rucksack die Brosche und zeigte ihm die beschädigte Stelle.
„Wenn ihr uns helfen könntet, wären wir euch sehr dankbar“, sagte ich und überreichte sie ihm. Er betrachtete sie eingehend mit einer großen Lupe, die ihm Gnomonus gebracht hatte. Dann ließ er nach seinem Zwergensteinmacher rufen.
Während wir auf ihn warteten, bot uns der König ein wenig Eissafttee an, den wir dankend entgegen nahmen. Dann sah er uns ernst an und fragte: “Nun, was werdet ihr mir als Tausch für die Reparatur des Steines  wohl geben?“
Stella griff nach meinem Rucksack und wühlte eine Zeit lang darin herum, dann nahm sie zwei Baglapfrien heraus und überreichte sie dem König. Der war ganz aus dem Häuschen vor Freude über die Früchte. „Bei uns hier oben in den Bergen wachsen Baglapfrien leider nicht, wir haben schon alles versucht, aber es scheint unmöglich. Viel zu selten komme ich daher in den Genuss dieser Köstlichkeiten. Das ist das Beste, was ihr mir zum Tausch anbieten konntet.“ Erfreut drückte er die Früchte erst an seine Brust, bevor er einen tiefen Atemzug ihres frischen Geruchs einatmete.
Dann kam der Zwergensteinmacher und der König beratschlagte mit ihm, wie man am Besten vorgehen könnte, um dem Stein seine verlorene Kraft zurück zu geben. Ich beugte mich zu Stella hinüber. “Ein Glück haben wir noch Baglapfrien gepflückt und eingepackt, bevor wir in den Adlernachtflugexpress gestiegen sind. Aber wie kann es sein, dass die immer noch so frisch sind, als hätten wir sie gerade erst gepflückt. Seit unserer Abreise ist doch schon ein Tag vergangen?“
Stella lächelte mich an. „Aber Kimi, du weißt doch, wir sind im Knutschkugelland und da ist das mit der Zeit alles ein wenig anders. Für uns ist vielleicht ein Tag vergangen, aber für die Frucht ist es, als hätten wir sie gerade erst gepflückt.“
„Ach ja?“, ich verstand das mit der seltsamen Zeit hier im Knutschkugelland zwar immer noch nicht, aber das war ja, vielleicht auch gar nicht so wichtig.
Inzwischen waren der König und sein Zwergensteinmacher zu dem Entschluss gekommen, dass man den Stein nur ein wenig anschleifen und dann für kurze Zeit in ein Becken aus Bergkristall legen musste, damit er sich wieder aufladen konnte.
Das kannte ich von meiner Tante zuhause. Die sammelte nämlich die verschiedensten Steine und Kristalle. Hin und wieder hatte sie mir die Steine gezeigt und erklärt, welcher Stein wofür zuständig war, zum Beispiel zu welchen Sternzeichen er gehörte oder welche heilenden Eigenschaften er hatte. Und  manchmal sagte sie, ein bestimmter Stein müsste entladen werden. Dann legte sie ihn über Nacht in eine Schüssel mit vielen kleinen schwarzen Steinchen oder hielt ihn unter fließendes lauwarmes Wasser. Und dann am nächsten Tag legte sie ihn auf einen großen Bergkristall, damit er sich dort wieder aufladen konnte.
Hier bei den Zwergen schien das ähnlich zu funktionieren.
Es gibt im übrigen niemanden auf der Welt, der sich so gut mit Steinen, Kristallen, Quarzen und deren Abbau und Pflege auskennt, wie die Zwerge. Ein jedes Zwergenkind, dass geboren wird hat dieses Wissen bereits im Blut und so pflegen und hegen schon die kleinsten Zwerge ihre Steine.
Wie dem auch sei, wir folgten dem Zwergensteinmacher in seine Werkstatt. Oh so etwas schönes habt ihr noch nicht gesehen, und ich möchte Wetten meine Tante Gisela hätte sich hier sicher ihr Bett aufgestellt und wäre niemals wieder gegangen. Der Raum war nicht sehr groß, aber dafür sehr hoch und bis an die Decke mit Steinen, Kristallen, Schmuck und kleinen und größeren Flaschen gefüllt, in denen der Zwergensteinmacher scheinbar das wertvolle Pulver aufbewahrte, das beim Schleifen der Steine entstand.
„Dürfen wir uns umsehen, solange sie an der Brosche arbeiten“, fragte ich. Und er nickte, schon ganz vertieft in seine Arbeit.
Es war einfach atemberaubend, all diese schönen Steine anzuschauen. Sie waren nach Farbe und Größe sortiert, nach Rohsteinen und geschliffenen Steinen, nach Kristallen und Schmuck. Und die Pulver in den Flaschen funkelten nur so vor sich hin. Wozu man die wohl brauchte? Vielleicht konnte man Medizin daraus herstellen?
Im Hintergrund hörten wir das surrende Geräusch der Schleifmaschine und wie es jetzt erlosch. Stella ging zurück und sah sich das Ergebnis an. „Sie nur Kimi, er ist fertig und sieht fast aus, wie neu.“ Ich ging zu ihr und tatsächlich hatte auch ich das Gefühl, der Stein hätte schon ein wenig mehr Glanz als zuvor.
„So die Damen, jetzt muss die Brosche noch einen Augenblick in diese Bergkristallschale und sich ausruhen, um neue Energie zu tanken.“ Der Steinmacher setzte den Stein wieder in seine Fassung, legte die Brosche dann ganz behutsam, als wäre es ein kleines Baby in die Schale und ging wieder zurück zu seinem Schleifmaschinchen. Dort fing er den entstandenen Orangencalcitstaub in einem kleinen Fläschchen auf, verschloss sie mit einem Korken und überreichte sie mir. Ich hielt sie dicht vor meine Augen. Es war nur ein ganz kleines bisschen Staub und die Flasche war winzig klein, aber sie leuchtete so hell, das ich die Augen zusammenkneifen musste.
„Als hätte man viele kleine Sterne eingefangen“, sagte Stella.
Ja, genauso sah es aus.
Der Steinmacher suchte inzwischen eine Schachtel in der wir die Brosche transportieren konnten, damit ihr nicht noch einmal etwas geschah. Dann bettete er sie liebevoll darin.
“Ihr müsst einen Stein immer wie einen Freund behandeln. Auch in ihm wohnt eine Seele, die gut behandelt werden möchte und es euch tausendfach vergelten wird“, erklärte er uns und hielt uns die geöffnete Schachtel mit der Gänseblümchenbrosche hin. Jetzt hatte der Stein seinen wahren Glanz zurück gewonnen, wie war das möglich gewesen in dieser kurzen Zeit? Aber dann dachte ich wieder an die seltsamen Zeitzustände hier im Knutschkugelland. Damit hatte es sicher etwas zu tun. Ob ich das jemals begreifen würde?
Wir bedankten uns überschwänglich bei dem Zwergensteinmacher und ließen uns dann von Gnomonus zurück in den Thronsaal führen. Dort bedankten wir uns ebenfalls bei dem laut schmatzenden König, der sich inzwischen genüsslich über die Baglapfrien hergemacht hatte.
„Damit ihr nicht so lange für den Rückweg braucht, könnte ich euch anbieten meine Schnellrutsche zu benutzen.“
„Was ist denn das“, fragte ich neugierig.
„Das wird euch Gnomonus noch genau erklären. Ich wünsche euch also eine gute Heimrutschung!“ Damit wandte er sich wieder seiner Frucht zu.
Wir schlenderten hinter Gnomonus eine sehr lange Treppe herunter, an deren Ende bereits unsere Schuhe standen.
„Diese Rutsche verbindet das Zwergenschloss mit dem Bergschloss. Innerhalb von wenigen Augenblicken seid ihr da. Am Besten ihr macht euch kerzengerade, wenn ihr in der Schnellrutsche seid. So kommt ihr am schnellsten voran“, erwähnte Gnomonus noch, dann schupste er uns sanft in Richtung Rutsche.
„Ich habe ein wenig Angst“, sagte ich zu Stella und schmiegte mich in ihre Arme.
„Ach Kimilein, ich glaube, das brauchst du gar nicht. Sieh nur, da sind überall Leuchtkristalle und wenn der Weg wirklich kürzer ist, als der zurück über die kalten Berge, dann sparen wir eine Menge Zeit.“ Antwortete Stella und strich mir die Haare aus dem Gesicht. Dann gab sie mir ein Küsschen auf die Wange und verschwand durch die Öffnung der Schnellrutsche.
„Hui“, rief sie, „das macht Spaß!“ Und weg war sie.
Gnomonus lächelte mir aufmunternd zu. „Es macht wirklich sehr viel Spaß. Wenn du unten bist, willst du wahrscheinlich gleich wieder hoch und noch einmal rutschen.“
Also nahm ich all meinen Mut zusammen und probierte es aus. Tatsächlich es machte Spaß. Es machte sogar riesengroßen Spaß.
„Jaaa“, rief ich und Plumps war es vorbei.
„Ach wie schade!“, murmelte ich und rieb mir den Po, den ich mir bei meinem Austritt aus der Rutsche ein wenig auf dem Boden gestoßen hatte.
Stella stand lachend, mit verschränkten Armen an dem Geländer zu der Treppe, die uns hinauf ins Schloss führen sollte. Schnellen Schrittes stiegen wir hinauf und fanden uns in dem Gang vor dem Badehaus wieder. Wir klopften an und warteten darauf herein gebeten zu werden. Was auch sofort geschah.
 
Der Zustand der Seeelfen hatte sich in der Zwischenzeit leider noch weiter verschlechtert. So hatten die meisten von ihnen, allen voran der König, schon kleine Frostbeulen und blaue Lippen. Als sie uns sahen, war daher die Freude riesengroß.
„Habt ihr es geschafft“, rief die Seeelfenprinzessin.
Triumphierend hielt ich die Schachtel mit der Brosche hoch.
Die Seeelfen waren ganz aus dem Häuschen und begannen laut zu johlen und sich gegenseitig in die Arme zu fallen. Das wiederum weckte den Ältestenrat der Bergelfen, die sofort in der Tür erschienen. Auch sie waren überaus erfreut über den Ausgang unserer Reise, auch wenn sie das natürlich nicht so zeigen konnten.
Wir beratschlagten noch kurz, wie nun vorzugehen sei und beschlossen, dass die Seeelfenprinzessin am besten einfach nur den Wunsch aufheben sollte und Stella und ich dann über eine weitere Schnellrutsche, die vom Bergschloss zu den Seeelfen führte, nachkommen würden, um die Brosche in Empfang zu nehmen.
Gesagt, getan. Kaum hatte die Prinzessin ihren Wunsch ausgesprochen, da gab es ein lautes Plopp und sie und ihre gesamte Familie verschwanden. Im selben Moment erschienen die Bergelfen in Bikinis und Badehosen im Badehaus. Das war ein Getümmel ohne gleichen. Die achtzehn Elfenprinzessinnen und die zwei Elfenprinzen schwirrten wie wild gewordene Wespen durch den Raum und suchten nach ihren Mäntelchen, die ihnen sofort von der eilig herbei fliegenden Dienerschaft gereicht wurden. Stella und ich zogen uns leise zurück, aber der Bergelfenkönig entdeckte uns und kam hocherfreut auf uns zugeflattert.
„Ich danke euch vielmals für eure Hilfe. Womit kann ich euch belohnen?“
„Wenn wir ein anderes mal wieder kommen dürften, um Skifahren zu lernen, das wäre einfach super“, sagte ich und Stella stimmte mir zu.
„Aber natürlich! Wann immer ihr die Zeit findet uns zu besuchen, ihr seid immer herzlich willkommen!“

Stella und ich machten uns auf den Weg zur Schnellrutsche und kamen nur Augenblicke später im Seeelfenschloss an. Dort landeten wir in Blasen in denen wir ohne weiteres atmen und uns frei bewegen konnten.
Man erwartete uns bereits.
Während der Heiler des Königs magische Formeln sprach, woraufhin sämtliche Beulen und Erkältungen verschwanden, bot uns auch jener Seeelfenkönig eine Belohnung und auch ihn baten wir darum irgendwann wieder kommen zu dürfen, was ihn über alle Maßen freute.
Dann begleitete uns die Prinzessin nach draußen zu ihren Delfinen, die sie vor unsere Blasen spannte.
Kurz vor dem Ufer übereichte sie Stella die Brosche und eine kleine Flöte. „Wenn ihr diese Flöte an diesem See spielt, werde ich es hören und euch abholen kommen. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!“
Wir stiegen aus unseren Blasen und schwammen zum Ufer, wo wir uns erst einmal in Gras fallen ließen und tief und fest einschliefen.
Als wir erwachten stand die Sonne schon hoch am Himmel. Ich fühlte mich nach unserem Nickerchen sehr ausgeruht und voller Tatendrang. In den letzten Tagen hatte ich kaum geschlafen, aber meinem Körper schien das gar nichts auszumachen.
 „Was jetzt“, fragte ich Stella.
„Jetzt nehmen wir den Zauberstab zur Hand und rufen Prinzessin Gänseblümchen an, um ihr mitzuteilen, dass wir ihre Brosche gefunden haben.“
Sie kramte bereits in meinem Rucksack nach dem Zauberstab, da erschien die Gänseblümchenprinzessin direkt vor uns. Wieder begleitet von diesen herrlichen Klängen.
„Nanu, woher kommt Ihr denn so plötzlich, Prinzessin Gänseblümchen“, rief ich verwundert aus.
 „Ich habe euch die ganze Zeit beobachtet und bin erstaunt, wie großartig ihr das alles gemeistert habt.“
Wir überreichten ihr ihre Brosche und sie steckte sie sich gleich an. Sofort durchströmte sie das Licht des Orangencalcit und umgab sie mit einer wundervollen Aura.
Ich nahm das Fläschchen, dass das Pulver enthielt und das ich mir mit einem Band um den Hals gebunden hatte und reichte es ihr. Doch sie wehrte ab.
„Das ist eure Belohnung! Nochmals danke ich euch, nun aber Marsch nachhause. Ihr habt noch einen langen Flug vor euch.“
Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen da hoben wir auch schon vom Boden ab. Stella, die noch den Gänseblümchenzauberstab in der Hand gehalten hatte, erschreckte sich so sehr, dass sie ihn beinahe hätte fallen lassen. Doch dann deutete die Prinzessin  auf den Zauberstab und er flog aus Stellas Hand direkt in die Hand der Prinzessin.
Wir winkten ihr zum Abschied zu, nahmen einander an den Händen und flogen davon in Richtung zuhause, über Gänseblümchenstadt und die Ankunftsoase hinweg, vorbei an den Wächterengeln, in das rote Licht.
Ich schloss die Augen und eine übermächtige Müdigkeit überkam mich. Als ich die Augen wieder öffnete lag ich zuhause in meinem Bett. Ich sah hinüber zu Stella, die ebenfalls in ihrem Bett lag und sich die Decke bis unters Kinn hinauf gezogen hatte.
„War das alles nur ein Traum“, fragte ich sie, während ich durch den Spalt im Vorhang den Mond sah.
„Nein Kimilein! Es war echter, als so manches, was dir hier zuhause passiert!“
„Meinst du wir können bald mal wieder ins Knutschkugelland fliegen?“
„Bestimmt.“
Zufrieden drehte ich mich um, kuschelte mich in meine Decke und fiel in einen tiefen ruhigen Schlaf.



 
   

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Die Seite ist noch im Aufbau, aber es gibt schon ein paar süße Fotos und ein Welpentagebuch von unserem Wurf.

 

Nike & Charlie sind auch auf Instagram:

nordbullys

 

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Die Facetten der Liebe

ISBN: 978-3-942384-17-9

 

In diesem Buch findet ihr meine erste offizielle Veröffentlichung. Mit einem von mir geschriebenen Gedicht habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen und diese Veröffentlichung, mit anderen tollen Autoren gemeinsam, gewonnen.

 

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