Venna Adler
Venna Adler

Es war einmal ein Engel, der hatte schon viele, viele Leben auf der Erde gelebt. Er hatte alles erlebt, was es als Mensch zu erleben gab. Jetzt stand er zum letzten Mal an dem riesigen Tor, durch das die Engel auf die Erde in ihre menschlichen Körper hinab schwebten und freute sich auf seine allerletzte Aufgabe. Es war eine ganz besondere Aufgabe, die er gewählt hatte. Er wollte seine Liebe mit den Menschen teilen. Und damit ihn nichts und niemand davon abbringen konnte, hatte er sich einen kleinen Körper ausgesucht, der... wie die Menschen es nannten... behindert war. Er würde vollkommen auf die Hilfe seiner Menscheneltern angewiesen sein. Und deshalb hatte er sich Eltern ausgesucht, die sich ihrer Aufgabe mehr als bewusst waren und die ihn hinaus in die Welt bringen würden, zu den Menschen, die seine Liebe brauchten. Oder lieber, die ihre Liebe brauchten. Denn der Engel hatte sich vorgenommen ein kleines Mädchen zu werden. Shari würden seine Eltern ihn nennen und sie würden ihn mehr lieben, als er jemals zuvor geliebt worden war. Erneut lächelte er und sah hinunter. Es war soweit.

Neben ihm standen seine besten Freunde. Sie würden ihn als Schutzengel begleiten und ihm stets zur Seite stehen. Sie nickten ihm aufmunternd zu und er schwebte hinab in den kleinen Körper und wurde zu Shari, dem kleinen behinderten Mädchen, dass weder sehen, hören noch sprechen konnte.

 

Shari war von einer Schönheit, die es kaum gelingt zu beschreiben. Ihre Augen, die nichts irdisches zu sehen im Stande waren, blickten durch die, für Menschen so wichtige Hülle hindurch, tief in die Seelen der Menschen hinein. Und funkelten dabei, wie die Sterne am Himmel.

Ihre blasse Haut wirkte durchscheinend und schien irgendwie von Innen her zu leuchten.

Über ihren goldenen Locken vermutete man fast einen Heiligenschein zu erblicken.

Ihre rosigen, vollen Lippen, die niemals auch nur ein einziges Wort sprachen, schienen dem aufmerksamen Betrachter von der Unendlichkeit und der allumfassenden Liebe Gottes zu erzählen. Man musste nur tief genug in sich hinein lauschen.

Berührte man Shari, so durchströmte ein warmer Schauer jeden Winkel des Körpers bis tief hinein ins Herz.

Und ihre Ohren, die niemals ein menschliches Wort vernahmen, lauschten beständig den himmlischen Gesängen der Engel.

 

So vergingen vier Jahre, in denen Shari so manchem Menschen, der ihr begegnete die Augen für die wahre Schönheit des Lebens öffnete. Und viele Menschen, durch ihre bloße Anwesenheit, dazu brachte ihr Leben zu überdenken und neue Wege zu gehen. Es war dieses seltsame Schimmern, das von ihr ausging, die göttliche, die pure Liebe, die die Menschen so in ihren Bann zogen.

Manch einer weinte stumme Tränen der Rührung, wenn er sie einen Teil ihres Weges begleiten durfte.

Als vier Jahre vergangen waren, spürte Shari ein leises Sehnen nach ihrem wahren zuhause, nach dem Licht und der Zentralen Sonne, die die Menschen Gott nannten. Und sie beschloss sich zu verabschieden.

 

Es war ein merkwürdiges Gefühl, als ihr kleines Herz aufhörte zu schlagen. Und als sie ein letztes Mal tief ausatmete, hüpfte ihre Seele mit einem Kitzeln hinaus. Shari überkam das Gefühl laut auflachen zu müssen und sich zu schütteln. Da spürte sie, dass ihr kleiner Menschenkörper doch recht beengt gewesen war. Jetzt weitete sie sich aus und drehte sich im Kreis, während sie sich reckte und streckte und den Schimmer ihres eigenen Lichtes, das sie war, an der Zimmerwand entdeckte.

Sie blickte sich um und entdeckte ihre weinenden Eltern, die sich über die menschliche Hülle ihres Kindes beugten und sie weinend an sich pressten.

Ein kurzes Bedauern flackerte in ihr auf. Dann schmiegte sie sich seitlich an den Körper ihrer Mutter. „Nicht weinen, Mami. Es geht mir gut. Ich gehe jetzt nachhause.“

Shari war, als würde ihre Mutter kurz inne halten und sich umblicken. Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen und sie nickte wissend. Hatte sie sie gehört? So, wie sie all die Jahre stets gehört hatte, was Shari ihr hatte sagen wollen?



Neben dem Bett erblickte Shari nun ihre beiden Freunde, ihre Schutzengel. Sie lächelten ihr munter zu. „Mach dir keine Sorgen. Sie verstehen es.“ Dann reichten sie ihr die Hände und gemeinsam verließen sie das Haus, um hinaus zu schweben in den klaren Nachthimmel. Als sie die Erde hinter sich ließen, blickte Shari sich noch ein letztes mal um und bewunderte ein allerletztes Mal den Blauen Planeten. Dann wandte sie sich um und entdeckte in der Ferne ein weißes Licht. Näher und näher kamen sie und bald erkannte Shari, dass es der Tunnel der Heimkehr war. Der Weg zurück nachhause.

Wie beschreibt man einen solchen Tunnel? Fliegt man drum herum, dann ist es eine platte Scheibe, mitten im Nichts des Universums. Aber sobald man hinein schwebt, erkennt man, dass es sich wirklich und wahrhaftig um einen Tunnel handelt.

Während Shari und ihre Begleiter durch den Tunnel schwebten, erwachten in Shari immer stärkeres Bedürfnis nach Geschwindigkeit und so rasten die Drei mit einer ungeheuren Geschwindigkeit durch den nicht enden wollenden Tunnel. Shari lachte vor Freude und drehte sich um sich selbst. Sie fühlte sich so frei und spürte, wie alle Begrenzungen von ihr abfielen. Und dann endete der Tunnel ganz plötzlich und Shari plumpste in einen riesigen Raum. Raum? Nein, es war eine unsagbar große Halle. Und als Shari sich aufraffte, erschallte Applaus von allen Seiten und aus allen Ecken und Winkeln des Raumes. Unzählige Lichtwesen, Engel und Begleiter füllten den Raum und sie alle waren gekommen, um Shari zu feiern.

Es war ein prächtiger und bunter Anblick. Denn alle Lichtwesen bestehen nicht nur aus hellem weißen Licht. Nein, sie leuchten in den unterschiedlichsten Farbzusammenstellungen. Sogar in Farben, die die Menschen gar nicht kennen. Und diese Farben schlingeln sich in unterschiedlichsten Formen herum und rauf und runter und bilden unverwechselbare Muster. Dazu schwingt jedes dieser Wesen in einem einzigartigen Ton. Und so war der Raum erfüllt von einem harmonischen Summen und Klingen.

Shari erkannte an den Farben und Formen und Klängen, die die Wesen verströmten, nicht nur, wer sie waren, sondern auch was sie bereits alles erlebt und gelernt hatten. Denn bei aller Art Lichtwesen sind diese Farben, Formen und Klänge so etwas wie ein Tagebuch bei den Menschen. Jedes mal, wenn ein Lichtwesen... Engel, wie die Menschen sie nennen, hinunter auf die Erde geht und als Mensch geboren wird, dann durchlebt er verschiedene Lektionen. Fast so wie die Unterrichtsfächer in der Schule, oder die Kurse an einer Universität. Und für jede bestandene Lektion bekommt das Lichtwesen eine Farbe, eine Form oder einen Ton verliehen, wenn es wieder zurück nachhause kommt.

 



Und das war auch der Grund, weshalb sie all hier waren. Sie waren gekommen um mit Shari zu feiern und sie zu Ehren und mit zu erleben, wie Shari ihre neuen Farben erhielt.

 

An den Wänden des Raumes befanden sich Regale, so hoch, dass man kein Ende erkennen konnte. Und in ihnen lagen Milliarden von Schriftrollen, auf denen das Leben eines jeden Menschen, der jemals gelebt hat, dokumentiert worden war.

In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch auf dem eine neue unbeschriebene Schriftrolle und eine Feder lagen. Shari bewegte sich auf den Tisch zu und als sie hinunter auf das Pergament sah, da begann die Feder von selbst zu schreiben. Sie schrieb alles nieder, was Shari auf der Erde erlebt hatte und als sie am Ende angelangt war, da öffnete sich ein Spalt zwischen zwei Regalen und zwei schlanke weiße Engel betraten, gefolgt von einem großen goldenen Engel, den Raum.

Die weißen Engel stellten sich einer zur linken und einer zur rechten Seite Sharis auf. Der goldene Engel aber, trat ihr gegenüber an den Tisch.

Der Applaus verstummte und eine ungewöhnlich friedliche Stille erfasste den Raum. „Nun, Shari, willkommen zurück!“ Sagte der Engel zu ihrer Rechten. „Wir alle sind heute hier her gekommen, um dich zu Ehren für das Leben, das du gelebt hast. Du hattest eine besonders schöne Aufgabe. Du hast allen Menschen, die dir begegneten einen Samen der Liebe gepflanzt. Du hast es gut gemacht. Wir sind alle sehr stolz auf dich.“ Er trat zurück und der Engel zu ihrer Linken nahm die Schriftrolle, die sich inzwischen zusammen gerollt hatte. „Das ist die Lebenszeit, der wir den Namen Shari geben.“ Er überreichte ihr die Schriftrolle und als Shari sie nahm, erklang ein wunderschönes Summen und ein wunderschönes buntes Licht sprang aus der Rolle heraus. Wie eine Spirale legte es sich um Shari herum, hüllte sie ein, wie ein neues seidiges Kleid. Dann flogt die Rolle davon und suchte sich einen freien Platz in einem der Regalfächer.

Shari schloss die Augen und fühlte die neue Energie, die von ihr selbst in diesem Leben erschaffen worden war. Sie fühlte sich so neu, so leicht und unbeschwert, dass sie zu tanzen und singen begann. Alle Lachten und Klatschten und fielen summend in ihren Gesang mit ein.

Ihr Tanz endete vor dem großen goldenen Engel. Sie blickte in sein Gesicht und erkannte ihr eigenes darin. Erstaunt kam sie näher. „Wer bist du?“ Fragte sie heiser. Doch noch während er sie einfach nur ansah, ohne ein einziges Wort zu sprechen, wusste sie, wer er war. „Du bist ich. Und ich bin du. Das sind wir von Anbeginn gewesen und das werden wir für immer sein.“

Er breitete seine Arme aus und sie sank in seine Umarmung. Ein vergnügtes Lachen erklang, als sie mit einander zu einem atemberaubenden Licht verschmolzen. Sie öffnete ihr Herz und ließ ihre Liebe sich über den Raum und darüber hinaus ins gesamte Universum ergießen. Sie war wieder vollständig. Sie war nun nicht länger Shari und sie war auch nicht der Engel, der sie gewesen war, ehe sie ein letztes mal zur Erde aufgebrochen war. Sie war nun die reine und wahre Essenz der Liebe.

Drei Tage und drei Nächte feierten sie und als das Fest zu ende war, da die reine Liebe, die Shari nun war, hinaus ins Universum zu der großen Zentralen Sonne, die die Menschen Gott nennen. Und sie wusste, obwohl sie dieses Mal nur eine kurze Zeit auf der Erde gewesen war, sie hatte einen tiefen Abdruck von sich hinterlassen. Durch ihr kleines großes Leben hatten Menschen sich verändert. Waren Freundschaften entstanden. Hatten Menschen zu einander gefunden und folgten nun neuen Wegen. Die Liebe der kleinen Shari hatte sie alle für immer verändert.

Und ihre Eltern? Sie würden aus ihrer Trauer wachsen und die Geschenke, die das kleine Mädchen mit dem großen Herzen ihnen hinterlassen hatte, erkennen und ehren und sie weiter reichen, an jeden einzelnen Menschen, der ihnen begegnete.

In ihnen wuchsen nun die Samen der Liebe beständig heran und die ersten feinen Knospen waren bereits bis hinaus ins Universum zu sehen.



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